Die Güterzüge rollen wieder auf der Rheintalstrecke. Vor der Vollsperre bei Rastatt wegen einer aufgetretenen Schienenabsenkung im August nutzten täglich 200 Güterzüge die Strecke. „Bei Baustellen kann es immer zu unvorhergesehenen Zwischenfällen kommen. Doch die ebenfalls durch Bauarbeiten behinderten deutschen Ausweichstrecken und die durch regulatorische europäische Hürden erschwerte Nutzung der französischen Strecken werfen ein Schlaglicht auf die Probleme des Schienengüterverkehrs“, kommentiert Sabine Lehmann, Geschäftsführerin des LBS – Landesverband Bayerischer Spediteure.

„Besonders das Thema „ungenügendes Baustellenmanagement“ der Bahn stößt bei unseren Mitgliedern auf Unverständnis. Unseren Logistikunternehmen werden von Neukunden im Bewerbungsprozess detaillierte Notfallpläne für verschiedene Szenarien im logistischen Wertschöpfungsprozess abverlangt. Es ist daher nicht einleuchtend, dass eines der größten deutschen Verkehrsunternehmen keine funktionierenden, flächendeckenden Notfallkonzepte erstellen kann. Zugleich müssen endlich europäische Hemmnisse im Schienenverkehr beseitigt werden. Die französischen Umfahrungsstrecken konnten bei der Rheintalstreckensperrung teilweise nicht genutzt werden, weil Lokführer nicht französisch sprachen“, erklärt Lehmann.

Der LBS fordert von der Deutsche Bahn AG auch eine strategischere Herangehensweise bei Sanierungsmaßnahmen und einen stärkeren Fokus der Politik auf diesem Thema. Beispielsweise wurden von der Bahn zwischen 2014 und 2016 115 Eisenbahnbrücken modernisiert, 257 Brücken hätten es sein sollen. Das ist nicht einmal die Hälfte laut Planung. „Das ist ein massives Problem, denn eine unzuverlässige Infrastruktur kostet unsere Branche Millionenbeträge durch Standzeiten, Fahren von Umwegen und Konventionalstrafen durch Nichteinhalten von Kundenverträgen“, zieht Lehmann Bilanz. Der Erneuerungsbedarf ist riesig. Im Jahr 2017 mussten von 25.682 Eisenbahnbrücken in Deutschland 1.100 der Zustandskategorie 4 zugeordnet werden, wo nur noch durch Abriss und Neubau Abhilfe geschaffen werden kann.

Um dem Titel des Logistikweltmeisters gerecht zu werden, zu dessen zentralen Kriterien gerade eine gute Infrastruktur zählt, muss das deutsche Schienennetz noch besser mit den internationalen Verkehrsachsen verknüpft sein. Die besondere Stärke des Verkehrsträgers liegt in der Überwindung großer Distanzen. Rastatt ist Teil der wichtigsten europäischen Nord-Süd-Schienentransversale von Rotterdam nach Genua. Jährlich werden auf dieser Route rund 700 Millionen Tonnen Fracht bewegt. Das sind etwa 50 Prozent der gesamten Nord-Süd-Fracht. Der Schweizer Alpenbasistunnel Lötschberg-Tunnel sowie der Gotthard-Tunnel sind umgesetzte Vorhaben aus diesem Mammutprojekt. Die deutschen Projekte der Trasse werden dagegen erst in den 2030er Jahren fertiggestellt sein.

Ein ähnliches Szenario ist auf einer weiteren bedeutenden europäischen Trasse, dem Scan-Med-Korridor, zu beobachten. 2026 ist die Fertigstellung des 64 Kilometer langen Brennerbasistunnels geplant. Doch der Ausbau des Brenner Nordzulaufs hinkt weit hinterher. Im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) ist ein wichtiges Projekt aus diesem Vorhaben, der Bau von zwei zusätzlichen Gleisen von München / Grafing über Rosenheim nach Kiefersfelden, zwar aufgeführt. Doch dieses einzelne Projekt kann nur einen Bruchteil der erwarteten Steigerung des Alpen-Güterverkehrs abfangen. Zudem stehen weder die Kosten fest noch gibt es einen klaren Zeithorizont. Der LBS setzt sich daher für eine deutliche Beschleunigung des Projekts und einer Inbetriebnahme der Strecke bis 2030 ein. Stauungen durch den neuen Brennerbasistunnel können heute auch bei Mobilisierung aller Ressourcen nicht mehr verhindert werden.

„Der LBS warnt daher vor der Illusion, dass mit dem Investitionshochlauf im Verkehrsbudget alle Weichen für eine zukunftsfähige Schiene gestellt sind. Das Thema muss für die nächsten Legislaturperioden mit einer sehr hohen Priorität versehen, die Umsetzung regelmäßig evaluiert und die Rahmenbedingungen entsprechend angepasst werden, wenn der Anteil des Schienengüterverkehrs am Modalsplit nicht noch weiter sinken soll.

Die aktuellen Zahlen weisen in diese Richtung. Laut einer Kurzfristprognose der SSP Consult im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums wird der Straßengüterverkehr in 2017 um 2,6 Prozent zulegen, die Schiene partizipiert vom Wachstum des Logistikmarktes mit mageren 0,6 Prozent. Die neuesten Pro-Kopf-Investitionszahlen der europäischen Staaten in die Schieneninfrastruktur von 2016 zeigen, wie groß die Investitionslücke derzeit ist. In der Schweiz wurden pro Einwohner 378 Euro ausgegeben, in Österreich 198 Euro, während in Deutschland lediglich 64 Euro investiert wurden“, führt Lehmann aus.

pdfLBS Brennpunkt - Ernstfall Rastatt wirft Schlaglicht auf Probleme des Schienengüterverkehrs.pdf

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